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Ugandische Frauen tragen den Gomesi

Oder: Was Mark Forster mit dem Gomesi zu tun hat

194 Länder von Mark Forster

Habe gerade "194 Länder" von Mark Forster im Radio gehört. Als Touristikerin begeistert mich der Song immer wieder. Ich summe mit.

La la la la ... La, la la la la,

Ich war in den Hills von L.A.
zwischen den größten Legenden der Welt.
Ich war am Hafen Marseilles
aß den Fisch dort direkt aus der See.
Ich war am Herzen Ugandas,
genoss die Wärme der Nächte Kampalas.
Bin durch die Hügel gewandert
auf dem irischen Wicklow bei Dublin ....

"Genieß die Wärme der Nächte Kampalas ..."

Von 194 Länder singt Mark Forster in seinem Hit von 2018, und ich bekomme diesen Ohrwurm kaum wieder aus meinem Kopf. Ich bin inspiriert durch diesen Song. Vor allem diese eine Textzeile „genieß die Wärme der Nächte Kampalas“ geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Schnell google ich mal diese Stadt, denn ich konnte ad hoc nicht sagen, zu welchem Land sie gehört. (Ich gebe zu, etwas beschämend für eine Touristikerin. Aber mein Schwerpunkt im WIGWAM ist einfach Mittel- und Südamerika). Kampala ist also die Hauptstadt Ugandas.

Ich bin motiviert, mich mehr mit diesem afrikanischen Land zu befassen. Schon lange steht eine Naturreise durch Uganda auf meiner Wunschreise-Liste.

Uganda steht für vielseitige Tierbeobachtung und Safaris

Kampala… Uganda… was gibt es dort sonst noch Interessantes, außer den berühmten Berggorillas und dem Victoriasee?

Natürlich stoße ich bei meiner Recherche zuerst auf die vielfältige und faszinierende Tierwelt Ugandas. Auf privaten Safaris und Pirschfahrten kann man nicht nur die eben schon erwähnten Berggorillas bei einem Gorilla-Tracking im Bwindi Nationalpark bestaunen, sondern auch Löwen, Elefanten, Büffel, Leoparden und die beiden Wappentiere, den Kronenkranich und die endemische Antilopenart Uganda-Kob. Um nur ein paar der wichtigsten Tiere zu nennen.

Außerdem gibt es noch eine Besonderheit: die Äquatorlinie teilt das Land in zwei Teile, was man auf der Höhe der Stadt Masaka mit einem Foto vor einem Denkmal verewigen kann: mit einem Bein steht man jeweils auf der nördlichen und auf der südlichen Halbkugel.

Der Gomesi - ein traditionelles Kleidungsstück in Uganda

Immer wieder stolperte ich über Fotos von ugandischen Frauen in aufwendigen bunten Kleidern. So farbenfroh, soviel Stoff und soviel Eleganz in oft sehr einfacher Umgebung. Das begeistert mich und ich recherchiere. Dieses traditionelle Kleid aus Uganda heißt „Gomesi“. In manchen Regionen wird dieses ugandische Kleid auch „Busuuti“ genannt.

Vor allem in ländlichen Gebieten, wird der Gomesi ganz normal im Alltag getragen. Hier sind die Stoffe grober, aber immer gerne auch farbenprächtig. Vornehme Gomesis sind bei Familienfeierlichkeiten sehr beliebt. Und: Das Kleid mit Tradition erlebt gerade wieder einen Aufschwung.

Keine nackten Schultern für ugandische Frauen

Das ursprüngliche traditionelle Kleid hieß Suuka, bestand aus einer Art dünner Rindenstoff und wurde nur um die Brust gebunden. Befestigt wurde der Stoff mit einem breiten Gürtel um die Hüfte.

Als aber 1905 die Church Mission Society (CMS) ein Internat für Mädchen gründete, und die viktorianischen Leiter der Schule keine nackten Schultern erlaubten, wurden zwei indische Brüder engagiert, um dieses Kleid den Sitten anzupassen. Heraus kam ein Bolero (um die Schultern zu verdecken) mit aufgeplusterten Ärmeln. Das ganze wurde einfach mit dem langen Rock des ursprünglichen Suuka zusammen genäht.

Der Gomesi benötigt ca. 6m Stoff. Der fertige Gomesi hat außerdem noch einen schärpen-/ schleifenartigen Gürtel und zwei Knöpfe auf der linken Seite. Die meisten Gomesi werden aus Seide, Baumwolle oder Leinen genäht. Oft bindet man noch einen oder zwei Kikoys (ein bunt gewebtes Baumwolltuch) unter den Gomesi, um dem Ganzen eine bessere Form zu geben und die Hüften breiter erscheinen zu lassen.

Da die beiden indischen Schneider „Gomes“ hießen, wurde das Kleid nach ihnen benannt: Der „Gomesi“. Die sehr farbenfrohe leichte Stoffvielfalt erinnert mich sofort an die Saris der indischen Frauen. Kein Wunder, bei den indischen Erfindern. (Leider konnte ich noch nicht herausfinden, warum keine afrikanischen Schneider den Auftrag bekamen.)

Soziale Bedeutung des Gomesis

"Der Gomesi ist ein Zeichen von Respekt. Er soll bei allen sozialen Verpflichtungen wie Hochzeiten, Beerdigungen oder wenn man auf Stammes Älteste trifft, getragen werden", sagt Florence Kiwanuka, die Sprecherin des Parlaments des Bugandischen Königreiches. Und so besitzen die Frauen in Uganda doch noch einige traditionelle Kleider.

Das Kleid porträtiert die jüngere afrikanische Kultur. Der koloniale Einfluß der Europäer. Der Gomesi ist umständlich und schwer zu tragen. Er kann schlecht sauber gehalten werden. Man muss daher schon kulturell tief verwurzelt sein, um den Gomesi als Alltagskleid zu tragen. Kein Wunder, daß man vorallem ältere Frauen damit sieht.

In westlich orientierten Gegenden und in städtischen Gebieten, tragen die Frauen westliche Kleidung. Auf dem Land sind das oft T-Shirts zu Röcken. Farbenvielfalt garantiert. Trotzdem macht sich auch hier langsam eine Rückbesinnung breit. Es wird wieder "in", den traditionellen Gomesi bei festlichen Anlässen zu tragen. Ja, und wunderschön anzusehen sind die Frauen in ihrem Gomesi allemal.

Und was hat jetzt Mark Forster mit dem Gomesi zu tun?

Eigentlich gar nichts. Aber durch seinen Ohrwurm hat er mich daran erinnert, einen großen Reisewunsch von mir weiter zu verfolgen. Und da mich die Bevölkerung immer mindestens genau so viel interessiert, wie Flora und Fauna eines Landes, ist meine Recherche über Uganda noch lange nicht zu Ende!

... aber hierzu wieder mehr in einem anderen Beitrag ….

Frauen bei einer Hochzeit in Kampala tragen den Gomesi

Wie trage ich einen Gomesi?

Hier die Anleitung, wie das Kleidungsstück gewickelt und angezogen wird: https://youtu.be/SJucZbxmcMk

 

 

Und hier noch weitere Quellenangaben:

Bugandisches Parlament

Bild: Hochzeit in Kampala by sarahemcc - originally posted to Flickr as The Women, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6036347

Mark Forster: 194 Länder - Official Video

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Susanne Siegel