von die WOM-Redakteure
Reisebericht USA - Trekking
Wilde Felsen und gigantische Weite – Trekking im Südwesten der USA
Auf unserer WIGWAM USA Trekkingreise gibt es viele Highlights zu entdecken:
- Rocky Mountains National Park
- Georgetown
- Arches Nationalpark
- Monument Valley
- Canyonlands Nationalpark (inklusive Rundflug)
- Antilope Canyon
...und vieles mehr.
Die Reiseteilnehmerin Frauke Meyer hat uns freundlicherweise Ihren eindrücklichen Reisebericht und wunderschöne Fotos zur Veröffentlichung überlassen:
In Hamburg haben wir einen großen Stein, den wir sehr bewundern. Er liegt an der Elbe, und weil er ursprünglich aus Schweden stammt, nennen wir ihn den „Alten Schweden“.
Die Bewohner der Rocky Mountains würden sich wahrscheinlich totlachen, dass wir unserer Attraktion extra einen Namen gegeben haben, denn in Colorado, im Rocky Mountains National Park, der ersten Station unserer Reise, gibt es unzählige solcher dicken Steinbrocken, die auf Berghängen herumliegen und stumme Zeugen einer Zeit sind, in der sich das vulkanische Gebirge aufgefaltet und in seiner heutigen Form für uns schroff, aber sehr beeindruckend herausgebildet hat.
Am Morgen nach unserem Ankunftstag sind wir alle zusammen im Walmart einkaufen. Die Gruppe besteht aus neun Reisenden und Elke, unserer Reiseleiterin. Ich besorge einen zweiten Schlafsack für warme Tage, noch nicht ahnend, welch gute Dienste er mir in Kombination mit meinem Daunenschlafsack für bis minus 10 Grad leisten wird. Auf dem Weg zum Campingplatz machen wir einen Fotostopp beim „Devil’s Backbone“, Steine, die wie die Knochen einer Wirbelsäule aneinandergereiht in den blauen Himmel ragen. Gegen Nachmittag beginnt es zu regnen, aber als wir ankommen, lugt die Sonne wieder über die Rockies – gut für die erste Lektion im Zeltaufbau, die Elke sehr genau nimmt – gut für uns, denn nach wenigen Tagen sind wir Spezialisten fürs Auf- und Abbauen geworden, nach diesem Urlaub können wir das alle im Schlaf.
Wir lernen außerdem, was alles mit ins Zelt darf und was nicht – im Land der Bären kommen die Nahrungsmittel nämlich in die Bärenkiste. Aber was wir vorher nicht wussten: Auch Kosmetika, Cremes, Duschgel etc., nichts davon darf im Zelt bleiben, weil es die neugierigen Bären anlocken könnte. Es ist nicht nur zu unserem Schutz: Wenn die Tiere den Menschen zu nah kommen, müssen die Ranger sie erschießen. Als ich nachts mal zur Toilette muss, schaue ich mich ängstlich um, ob auch wirklich keiner in der Nähe ist. Aber niemand von uns hat einen zu Gesicht bekommen – dafür sehen wir am nächsten Tag auf unserer Wanderung Maultierhirsche und Streifenhörnchen, die flink auf den Bäumen verschwinden – und nachts hören wir die pfeifenden Brunftschreie der Wapitits: Mit dem Widerhall in den Bergen klingt das magisch. Dummerweise habe ich meine Stirnlampe auf meinem kleinen nächtlichen Ausflug vergessen, doch der Mond und die Sterne scheinen so hell, da ist Licht glücklicherweise gar nicht nötig.


Beim Frühstück am nächsten Morgen, dem ersten, das wir draußen zu uns nehmen, sind es nur wenige Grad über null. Meinen dünnen zweiten Schlafsack habe ich nachts über den Daunenschlafsack gezogen, so war es trotz der Kälte kuschelig warm. Kleidung nach dem Zwiebelprinzip bietet sich bei den Temperaturen an, auch wenn es sich am Morgen noch nicht so anfühlt, dass ich irgendeine Schale freiwillig abwerfen werde. Aber schon gegen Mittag, während wir das erste Mal an den Colorado wandern, der uns auf der ganzen Reise immer wieder begegnen wird, landen die lange Merino-Unterhose und ein paar Sweatshirtlagen im Rucksack.
Abends kochen wir wieder, jeden Tag ist ein anderes Team dran, die Verpflegung ist hervorragend und immer ausreichend, sodass immer alle (sehr!) satt werden. Unsere Powerbanks konnten wir nachts auf der Toilette laden, damit die Handys am nächsten Tag genug Saft haben.
Netz ist allerdings im Nationalpark nicht zu kriegen, Digital Detox gibt’s also auf dieser Reise gratis dazu. Umso mehr freuen wir uns alle, als wir auf dem Weg nach Moab im Arches Nationalpark über Georgetown in einer urigen Gaststätte frühstücken, wo es W-LAN gibt und wir wieder Kontakt zu Familie und Freunden aufnehmen können. Außerdem sind die Waffeln und das „American Breakfast“ mit Ei und Wurst großartig – wie übrigens auch der Ort: Die historische Bergbaustadt Georgetown wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet, als dort erst Gold, dann Silber gefunden wurde. Für ein gutes Jahrzehnt wurden hier große Mengen Silber gefördert. Viele der kleinen einfachen, aber schön bunt angemalten Häuser sind erhalten, eine hervorragende Kulisse für Filme aus dieser Zeit. Eins ist schöner als das andere. Wir können nicht aufhören zu fotografieren.
In Moab wird’s warm, hier beginnt das Wüstenklima. Jetzt befinden wir uns genau in der Mitte der „Four Corners“ im Südwesten der USA, bestehend aus Utah, Colorado, Arizona und New Mexico. Nachdem wir Wasser in einem Sportladen aufgefüllt haben, erreichen wir den im roten Wüstensand liegenden Campingplatz, der als einzigen Komfort ein Dach mit Sitzgelegenheit darunter und 50 Meter weiter zwei sehr saubere Plumpsklos (mit Desinfektionsmittelspendern) bereithält. Wasser: muss man schon mitbringen. Ab jetzt wissen wir, wie wichtig es ist, immer was aufzufüllen, wenn es zu haben ist. Wenn’s ums Waschen geht: Feuchttücher sind das Mittel der Wahl. Hört sich komisch an, aber wir haben uns schnell dran gewöhnt.
Beim Frühstück sehen wir vor uns die Sonne aufgehen und hinter uns den Mond untergehen. Die Tag-Nacht-Übergänge zeigen sich hier von ihrer schönsten Seite. Auf den Wanderungen durch den Arches Nationalpark in den nächsten Tagen toppt ein Highlight das nächste. Das Laufen ist durchaus anspruchsvoll, und große Höhenangst sollte man auch nicht haben. Ein bisschen geht aber, das durfte ich auf dieser Reise über mich lernen. Riesenrad fahren ist weitaus schlimmer als das hier. Und die skurrilen Bögen sind eindeutig schöner als jede Stadt und hören auf die schönen Namen wie „Delicate Arch“, „Balanced Rock“ oder Devils Garden. Zum Sonnenuntergang fahren wir in die Canyonlands, und obwohl die Arches so beeindruckend waren, drücken wir uns schon im Bus die Nasen an den Fenstern platt, und alle rufen „Oooh“ und „Aaah“, weil das da draußen einfach so groß und so schön ist. Zu allem Überfluss bekocht uns Elke heute ganz allein, sodass wir sonst gar nichts tun müssen außer gucken, beobachten, genießen – von jeder Himmelsrichtung aus machen wir zu jedem Sonnenstand bis zum Untergehen so viele, wahrscheinlich ZU viele Fotos. Es gibt den Spruch „Die Sonne ist die Universalarznei aus der Himmelapotheke“, sagte der deutsche Dramatiker A. v. Kotzebue vor 250 Jahren. Recht hat er. In der Canyonland-Kulisse hat ihr Untergang etwas sehr Erhabenes, wir fühlen uns als Teil der Natur und gleichzeitig wie ihr größter Bewunderer.
Am nächsten Morgen fahren wir wieder früh los, um die „Windows Section“ bei Sonnenaufgang zu sehen. Wieder können wir alle nicht aufhören, Bilder zu machen, diese Felsen machen auch Ü-50-Jährige endgültig handyfotosüchtig. Nach dem Frühstück geht’s dann weiter zum Canyonland Nationalpark in der Nähe von Durango. „Hamburger Rock“heißt unsere Campingstelle, die an einem Hügel in der Mitte der Steppenwüste liegt. Strom: keinen. Wasser: keins. Zwei Plumpsklos. Inzwischen ist das normal, keiner verschwendet mehr einen Gedanken daran. Die Hitze beim Zeltaufbau treibt uns den Schweiß aus jeder Pore. Zum Sonnenuntergang weht dann ein sehr angenehmes laues Lüftchen. Die Umrisse der Berge, die entweder spitz nach oben zulaufen oder auf dem typischen flachen Plateau enden, stehen schwarz vor orange-rotem Himmel, die ersten Sterne zeigen sich. So, genau so hatte ich es mir vorgestellt, die Reise durch Amerikas Naturschönheiten. Als Sahnehäubchen kommt heute noch on top: Zum Kochen singen wir. Zwar keinen „Hamburger Rock“ und meistens etwas schief und textsicher nur in den ersten zwei Zeilen, aber mit wahnsinnig viel Spaß und guter Laune. Die 15 Kilometer lange Wanderung durch die Canyonlands tags drauf ist anspruchsvoll, aber traumhaft schön mit dem Blick auf die „Pilzlandschaft“, die „Needles“, die die Vermutung nahelegen, man befände sich auf einem fremden Planeten.
Danach geht’s zurück von Utah nach Colorado, nach Mesa Verde, und es gibt Kultur. Wir werden von Rangern durch zwei ehemalige Pueblos der Indios geführt, unter Felsvorsprüngen gebaute Häuser, in denen Menschen bis ca. 1300 gelebt haben, weil die Erde dort oben fruchtbar war und viel Mais hergegeben hat. Das nächste Ziel sind die heute noch lebenden Indigenen im Navajo-Reservat. Hier schauen wir uns die Canyonlands auf einem Ausritt mal von unten an. Dank der hervorragenden Kontakte von Elke zum Navajo-Guide Bernard lassen wir uns nach einer offizellen Jeep-Tour durchs Monument Valley zu einem Ort mitten im Reservat bringen, wo wir das erste Mal auf dieser Reise unter dem Sternenhimmel schlafen und darauf verzichten, unsere Zelte aufzubauen. Nachdem Bernard am Lagerfeuer für uns Flöte gespielt und ein bisschen über das Leben der heutigen Navajo erzählt hat, schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke, und ich liege der Länge nach unter der Milchstraße, die ich so lange anschaue, bis mir die Augen zufallen.
Als ich sie am kommenden Morgen wieder öffne, fällt der erste Blick auf die skurrilen Felsen, die aussehen wie Kamine mit Schornstein, vor rosarotem Sonnenaufgangshimmel – eine der bleibenden und schönsten Erinnerungen für mich auf der ganzen Reise. Auch gut: Kein Kojote oder Skorpion hat mich des Nachts angeknabbert – eine gute Erfahrung, die uns ab jetzt zu Profi-Draußenschläfern machen wird. Denn die folgenden drei Tage verbringen wir am Lake Powell, wo wir oben auf den Felsen über dem See, der irgendwie mehr ein Fluss ist, wieder ohne Zelt schlafen. Wir ankern in einer der Buchten, gekocht wird auf dem Boot. Tagsüber erreichen die Temperaturen locker 40 Grad. Wir genießen den Fahrtwind, während wir in andere Buchten fahren, und wir schwimmen so weit in eine Schlucht hinein, bis die Felsen rechts und links zu eng werden und wir wieder umdrehen. Aufregend und abenteuerlich ist das.
Der Campingplatz war riesig, und die Rezeption hatte schon geschlossen. Ich habe dann ein paar Leute gefragt, ob sie wissen, wo die Zelte sind, aber keiner wusste es, alle waren im Wohnmobil unterwegs. Alle waren superfreundlich, konnten mir aber ohne Nummer im Dunkeln überhaupt nicht helfen. Einer hat mich dann in sein Auto geladen und fuhr mit mir eine Viertelstunde herum, bis ich den richtigen Platz gefunden hatte – das war eindeutig der Moment, in dem ich mich am meisten gefreut habe, alle wiederzusehen. Sie hatten schon vorher Besuch von einem anderen von mir nach dem Weg Gefragten gehabt, der nach einer „lost woman“ (ich. lost) gefragt hatte. Er hatte wohl Mitleid mit mir bekommen und sich im Auto auf die Suche nach der „lost woman“ gemacht, woraufhin mein Grüppchen lautstark „Das Wandern ist des Müllers Lust“ angestimmt hatte, um mir den Weg zu weisen. Leider konnte ich das nicht hören, weil ich ja im Auto saß.
Die Stille des Canyon Slope tags zuvor bekommt man am Antilope Canyon nicht. Hier werden täglich 3000 (!) Leute durchgeschleust. Als Elke uns nach dem Besuch fragt, ob sie das wegen der Überdosis an Touristen aus dem Programm nehmen solle, riefen wir alle: „Auf keinen Fall!“ Die Farben und gedrehten Felsformationen sind einfach un-fass-bar schön. Egal, wie viele andere Leute da rumlaufen.
Den krönenden Abschluss der 3-Wochen-Tour bildet der Grand Canyon. Auf dem Campingplatz laufen morgens seelenruhig Maultierhirsche direkt an unseren Zelten vorbei und fressen sich an den Sträuchern satt. Wir frühstücken nach ihnen und machen uns auf zur Wanderung oben entlang am Rimm/Rand des fantastischen Gebirges. Die Superfitten unter uns hat Elke schon zu um vier Uhr morgens weggebracht – sie laufen im Dunkeln 1600 Meter den Canyon hinunter und danach wieder hoch. Gegen 15 Uhr erreichen sie das Ziel, und unglaublicherweise sehen sie immer noch frisch aus. Aber am nächsten Tag haben sogar die Cracks ein bisschen Muskelkater. Wir anderen nicht, aber die Aussicht vom Rand oben war auch toll. Spektakulär ist sie allerdings von ganz oben, als wir tags drauf über den Grand Canyon fliegen. Von dort sehen wir die Schluchten, die wie Risse das Gebirge in verschiedene Teile spalten, und die ganze Macht der tektonischen Verschiebungen zeigt.
Als wir nachmittags in Las Vegas landen und unten in unserem Hotel die Automaten des Spielcasinos läuten, rattern und klingeln, bekommen wir einen kleinen Kulturschock. So viele Menschen, so viel Bling-Bling, so viel Geräuschkulisse – aber: eine Dusche, ein Bett, Strom, so viel wir wollen. Nach dem Abschiedsessen mit dem Grüppchen und einem Gang über den Las Vegas Boulevard, dem „Strip“, höre ich auf dem Zimmer meinen Lieblingsradiosender aus Hamburg, träume von all den Felsen und Steinen, die wir gesehen haben, und nehme mir vor, dem „Alten Schweden“ demnächst einen Besuch abzustatten und ihm von seinen Brüdern und Schwestern aus den Rocky Mountains und all den anderen Orten dieser gigantischen Natur im Südwesten der USA zu erzählen.
Mitbringsel, die sich für diese Reise absolut empfehlen:
Eine reichhaltige Creme für Lippen und Nasenschleimhaut, denn die Luft ist in vielen Gebieten extrem trocken, ausreichend Papiertaschentücher, Feuchttücher, Sitzkissen oder Vliesdecke (fürs Sitzen, wenn es kalt ist, und als Unterlage im Zelt), zwei Schlafsäcke, wenn man so ein Frostködel ist wie ich, einen dünnen und einen dicken (der dicke kommt in den dünnen, damit übersteht man locker alle Temperaturen, auch in den Rocky Mountains), Stirn- und Taschenlampe, wer mag: ein schönes Licht fürs Zelt, die Taschenlampe tut’s aber auch, viele Beutel und Taschen, um das Innere der Reisetasche sortiert zu halten, Plastikbeutel (wiederverschließbar), wer mag: eine Brotdose, für die Stulle/das Vesperbrot zwischendurch, Mütze, Tuch oder Schal und Handschuhe (ich bevorzuge die ohne Finger, aber aus dicker Wolle), dicke Socken, Mückenspray, Sonnenhut, Sonnenschutz, Halstuch.
Tipp
Im Diner das „55+ Meal“ bestellen, das mengenmäßig kleiner ausfällt als die Normalportionen, aber für Europäer immer noch so ausreichend ist, dass man kaum das aufessen kann.


