von Petra Huber

Naturkundespezialist Eckhard Fella, Kolumbien / Ecuador

Meet our local: Eckhard Fella ist WIGWAM Partner und Reiseleiter für Touren in Mittelamerika

Eckhard Fella und sein Team sind unsere "Locals" in Kolumbien & Ecuador. Ecky ist seit vielen Jahren unser erster Ansprechpartner & Reiseleiter für Natur- und Expeditionsreisen. Mit seinem enormen Wissen über Geschichte, Flora und Fauna begeistert er unsere Reisenden. Z.B. auf der "Kolumbien & Ecuador Expeditionsreise" oder der "Viva Colombia Naturreise". Ein unvergessliches Erlebnis.

WIGWAM stellt vor: Eckhard "Ecky" Fella

Unser "local" in Kolumbien & Ecuador

Interview mit Ecky über Fernweh, Reisen, Heimat und faszinierende Landschaften

 

Die Pandemie hat die Reisemöglichkeiten auch in Deinem Land stark eingeschränkt.
Wie ist die momentane Situation? Können wir wieder nach Kolumbien & Ecuador reisen?

Ecky Fella: Ich kann Reisen nach Kolumbien & Ecuador wieder mit gutem Gewissen empfehlen. Im Herbst hatten wir die ersten zwei kleinen Reise-Gruppen in Kolumbien. Bis auf einen Nationalpark war alles geöffnet und die Reise konnte mit grosser Zufriedenheit durchgeführt werden. Ich komme gerade von der Ecuador & Galapagos Naturreise zurück. Hier hatten die Teilnehmer überhaupt keine Einschränkung. Generell ist die Situation in Kolumbien und Ecuador ähnlich wie in Europa. Die Fallzahlen gehen momentan zurück. Die Schutzmassnahmen - wie Masken, Abstandhalten und Hände desinfizieren - sind obligatorisch und werden auch eingehalten. Die Impfquoten der Gesamtbevölkerung hinken zwar hinter Europa her, aber es wird kräftig nachgeholt und die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist sehr groß.

Wer nach Galapagos möchte, muss jetzt schon vollständig geimpft sein.

 

 

 

 

Tourismus ist ja eine große Einnahmequelle für die Menschen und das Land. Viele werden sich freuen, wenn wieder mehr Gäste ins Land kommen. Wie seid Ihr darauf vorbereitet?

Ecky Fella: Ich bin mit vielen Kollegen in diesen Ländern ständig in Kontakt. Der Ausfall des Tourismus hat einige Reiseleiter veranlasst, sich umzuorientieren. Sie stehen jetzt nicht mehr zur Verfügung. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle bei den Einheimischen. Hier ist ein schnelles "umorientieren" oftmals nicht möglich. Viele Einkommen sind einfach weggebrochen. Trotzdem sehen die Kolumbianer und Ecuadorianer die Situation gelassener, als vielleicht in Europa. Lebensfreude und positive Einstellung läßt sich nunmal nicht so einfach unterkriegen. Dazu kommen Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Immer noch die liebenswürdigsten Eigenschaften der Bewohner dieser zwei Länder. Ja, wir freuen uns, wenn wieder Gäste zu uns kommen. Wir möchten ihnen die Schönheiten von Kolumbien und Ecuador zeigen!

 

 

Denk ich an Kolumbien, denk ich auch immer gleich an Drogenkartelle. Du empfindest das Leben dort als ziemlich sicher. Wenn in deutschen Medien über das Land berichtet wird, dann meist recht einseitig. Magst Du drei Sätze zum Thema "Sicher reisen in Kolumbien" sagen?

Ecky Fella: Drei Sätze reichen da nicht. Hinsichtlich Kolumbien gibt es natürlich immer noch das Problem der Drogenkartelle und Guerillabewegungen. Für unser Reisen in Kolumbien war das bisher noch nie ein Problem gewesen.

  • Zum Einen sind die Zentren der Guerillabewegungen eher in den Grenzgebieten zwischen Venezuela & Kolumbien also abseits unserer besuchten Gebiete und
  • zum Zweiten stellt die touristische Aktivität keine Gefahrt für diese kriminelle Organisationen dar.

Ich erinnern mich, als wir 1993 das erste Mal zur Verlorenen Stadt (Ciudad Perdida) gelaufen sind. Wir mussten damals von der Guerillabewegung eine Erlaubnis einholen. Dann konnten wir unter deren ausdrücklichen Schutz die Sierra Nevada bereisen. Wir liefen vorbei an Cocafelder. Am Abend bot man uns dann - in Zeitungpapier eingewickelt - Mariuhana an. Die Hälfte des Landes war damals unter Kontrolle dieser ilegalen Gruppen.

Heute hat sich sehr viel geändert. Es gibt einen Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC. Die verbleibenden Guerilla-Gruppen haben sich in den Grenzgebieten abgesetzt.

Absolute Sicherheit gibt es nie und nirgendwo. Aber es herrschen geordnete Verhältnisse im Großteil von Kolumbien. Man reist also wieder sicher.

 

Kolumbien ist mehr als eine Reise wert

 

Dich hat es 1991 nach Venezuela gezogen. Du hast dort Deine Familie und Dein Zuhause gefunden. Erzähl mal, was Dich so fasziniert hat, daß Du ausgerechnet nach Venezuela ausgewandert bist. ?

Ecky Fella: Schon als kleiner Junge habe ich viel glesen. Nach den Büchern „Meuterei auf der Bounty“ und dem Buch von Charles Darwin „Sein Leben und sein Werk“ war für mich klar, dass ich in ein tropisches Land auswandern würde.

Nach über 8 Jahren bei Bayerischen Polizei in München, hatte ich dann noch ein Studium als Marketing Manager absolviert. Das brachte mich zum damaligen ersten deutschen Privatsender Radio M1 mit Hard Rock und Heavy Metal. Freiheit und Abenteuer waren jedoch schon damals meine zweiten Vornamen, weshalb ich auf Zypern eine Eis- und Cocktailbar eröffnete. Mit einem ausranchierten Postbus und einer gebrauchten italienischen Eisdiele aus München ging es durch das damalige Jugoslawien und Griechenland nach Zypern. Ich glaube die Eisdiele gibt es heute noch. Nach einem wilden Cocktailabend in der Wohnung eines Freundes kamen wir auf Venezuela zu sprechen. Mein Freund arbeitete einige Jahre in Venezuela und hat mir den ganzen Abend davon vorgeschwärmt. So kam das Ganze in Rollen. Ich landete am 10.Januar 1991 in Caracas und blieb im Land. Angekommen!

 

In Venezuela hast Du Dein Familie und Dein Zuhause gefunden. Trotzdem zog es Dich 1993 auch nach Kolumbien. Erzähl mal. Was hat Dich so fasziniert, daß Du ausgerechnet Kolumbien als Reiseland auserkoren hast?

Ecky Fella: Der Menschenschlag in Kolumbien - und auch in Ecuador - ist sehr ähnlich. Diese Lebensfreude und Herzlichkeit begeistert mich immer wieder. Dazu bietet Kolumbien eine faszinierenden Geschichte und viel kontrastreiche Natur. Es lag also auf der Hand, dass ich auch Kolumbien kennenlernen wollte. Allerdings war Kolumbien zum Zeitpunkt meines ersten Besuches mehr Abenteuer, als typisches Urlaubsziel. ;-)

Soziales Engagement in Venezuela, Kolumbien & Ecuador

 

Gemeinsam zusammenhalten! Du unterstützt auch einige Sozial- und Naturschutzprojekte. Erzähl.

Ecky Fella: In Venezuela fehlt es der normalen Bevölkerung wirklich an Allem. Meine Frau Maria und ich haben deshalb vor Jahren angefangen, unser Trinkgeld zu sparen. Unsere Gäste bedanken sich nahezu immer mit einer finanziellen Gabe. Das finden wir schön, denn es zeigt, daß die Reiseteilnehmer begeistert und zufrieden sind.

Dieses Geld spenden wir regional. Dort wo wir wissen, daß die Hilfe 100%ig ankommt. Glücklicherweise konnten wir zusätzlich auch Freunde und Partner gewinnen. Dadurch sind wir in der Lage, einige kleine Projekte zu unterstützen und zu verwirklichen.

Wir unterstützen

  • das Altersheim und das Kinderkrankenhaus in Puerto La Cruz mit Nahrungsmittel, Putzmittel und Arzneimittel.
  • Alleinstehenden Müttern geben wir eine vorrübergehende Unterstützung, damit sie mit einer Selbstständigkeit ihr leben finanzieren können. (Zum Beispiel Gerätschaften, um als Friseusin zu arbeiten, oder eine Kurs als Bäckerin um Brot zu backen und von Haus-zu-Haus zu verkaufen, ...)
  • krankheitsbedingte Einzelschicksale, wo keine finanziellen Mittel fuer Medikamente und Untersuchungen vorhanden sind.
  • den Kauf von Stoffen, und Unterstützung von Näherinnen, damit jedes Kind eine Schulkleidung erhält.

 

Posada Vista Montana

 

Du leitest zusammen mit Deiner Familie die Hacienda-Lodge "Posada Vista Montana". Auch bei den WIGWAM-Reisen machen die Gäste dort Station. Was bedeutet "Zuhause" für Dich?

Ecky Fella: Vor einigen Wochen kam mir der Gedanken, wie lange ich eigentlich schon in Venezuela lebe. Meine Erkenntnis: Ich bin schon länger in Venezuela zuhause, als in Deutschland. Ich fliege gerne nach Deutschland und geniesse es, Freunde und meine Eltern zu besuchen. Aber ehrlich gesagt bin ich immer wieder froh, nach Hause zu kommen. Zuhause, das ist Venezuela. Was hier anders ist, als in Deutschland? ... Einfach alles, vorallem die Leichtigkeit der Menschen.

 

Posada Vista Montana – ein Paradies zwischen Karibik und Regenwald

Sebastian, das Faultier von Vista Montana

 

Wir alle lieben Sebastian. Wie kam er zu Dir und was bedeutet er für Dich?

Ecky Fella: Sebastian, unser süßes Faultier, war nur zu Gast. Er lebte bei uns, bis er grösser und selbstständig wurde. Ein Nachbar hatte mir das Faultierbaby gebracht, es hatte keine Mutter mehr und lag im Wald am Boden. Was mit der Mutter passiert ist, weiss ich nicht. Draussen war das Leben für so ein kleines Faultierchen erstmal zu gefährlich. Und im Regenwald wäre er mit Sicherheit bald gestorben.

Zur Freude von Maria baute ich in der Küche ein Holzgerüst aus Baumstämmen und Ästen. Hier fühlte sich Sebastian sofort wohl. Er konnte sich quer durch die Küche hangeln und machte gerne faxen, also wenn er nicht gerade faul rumhing. Denn der Name ist schon Programm, auch bei den jungen Tieren.

So lebte Sebastian dann 1 Jahr bei uns in der Küche. Jeden Morgen musste ich in den Wald, um frische Blaetter des Yakrumo-Baumes zu holen. Am Abend lies er sich dann gerne abhängen und schlief beim Lesen auf meinem Bauch ein. In dieser Zeit war er nicht nur unser Liebling. Auch unsere Gäste und das WIGWAM Büro-Team haben ihn ins Herz geschlossen. Nach einem Jahr haben wir Sebastian langsam an die Wildnis gewöhnt. Irgendwann blieb er dann allein im Regenwald.  Ich konnte Ihn noch ein paarmal sehen. Er kam kurz zu mir und verschwand dann schnell wieder in seiner angestammten Umgebung. Es schien Ihm gut zu gehen.

Sebastian war nicht das einzige Wildtier, das bei uns kurzfristig Heimat fand. Auch ein Capuchino Affe, ein Pecare Wildschwein, mehrere Brüllaffen und ein Stachelschwein haben wir aufgezogen. Tierbabys ohne Mama haben in der freien Wildbahn keine Chance.

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Petra Huber