von Elena Sczepannek
Kayak-Expedition im Yasuni Nationalpark
Der Yasuní Nationalpark: Ein Juwel im Herzen des Amazonas
Der Yasuní Nationalpark (spanisch: Parque Nacional Yasuní) ist ein beeindruckendes Schutzgebiet im Amazonasgebiet Ecuadors. Mit einer Fläche von etwa 10.227,37 km² erstreckt er sich zwischen den Flüssen Río Napo und Curaray in den Provinzen Orellana und Pastaza, nur 250 km von Quito entfernt. Hier sind einige faszinierende Aspekte dieses einzigartigen Naturparadieses:
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Biodiversität: Der Yasuní ist ein Hotspot der Artenvielfalt. In diesem UNESCO-Biosphärenreservat leben mehr als 600 Vogelarten, darunter majestätische Harpyien, sowie Jaguare, Pumas und Tapire. Die einzigartige Lage des Parks, wo Amazonas, Anden und Äquator aufeinandertreffen, schafft eine reiche Vielfalt an Lebensräumen.
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Unerforschte Wildnis: Große Teile des Yasuní sind unberührt und bieten Forschern und Naturschutzorganisationen die Möglichkeit, die intakte Tierwelt zu studieren. Die Region ist auch ein Brennpunkt für die Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels im Amazonasgebiet.
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Bedrohungen und Herausforderungen: Trotz seiner Schutzstatus gibt es weiterhin Interessen an Erdölförderung im Park. Die Waorani, die hier seit jeher leben, haben Nutzungsrechte und bewohnen einige Siedlungen innerhalb des Parks.
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Einzigartige Ökosysteme: Der Yasuní liegt in der Ökoregion der Napo-Feuchtwälder und besteht aus tropischem Regenwald, Flüssen und Marschen. Sein Klima ist geprägt von hohen Temperaturen und reichlich Niederschlag.
Während unserer Gruppenreise „Kolumbien & Ecuador“ verbringen wir vier Tage im Nationalpark mit Kayaks und einem lokalen Team im Gebiet der Waorani. Mehr dazu finden Sie im Blogbeitrag zu den Waorani.

Tag 1 – mit dem Kayak im Amazonas
Christian und sein Team holen uns in Coca ab, der nächstgelegenen großen Stadt.
Wir kaufen noch ein paar Gummistiefel für die Wanderungen, es waren wohl nicht mehr alle benötigten Größen vorhanden und machen uns auf den Weg, aber dann kommt nochmal ein Anruf vom Rest des Teams, die schon mal voraus sind: Die einzige Zufahrtstraße ins Gebiet ist gerade gesperrt, bzw. wird bestreikt von den Bewohnern einer Gemeinde. Eine Brücke sollte seit einem fatalen Busunglück an der Stelle von der ansässigen Erdölfirma ausgebaut werden (die hier die Straßenrechte besitzt) und es passiert scheinbar nichts. Sowas kann in Südamerika immer mal vorkommen, aber wir müssen ja trotzdem zur Anlegestelle kommen, Umleitungen gibt es natürlich nicht. Also kaufen unsere Guides noch Reis und Cola in größeren Mengen und verhandeln vor Ort mit den Verantwortlichen. Und tatsächlich wird nach etwas Wartezeit die Sperrung für uns entfernt und wir dürfen passieren. Reis und Cola wechseln den Besitzer 😉
Ankunft am Fluss, das Team hilft zusammen, um die Kayaks aufzublasen und geben eine erste Einweisung. Wir paddeln alleine oder zu zweit einen ruhigen Fluss hinunter. Um uns herum ist nur der Wald mit seinen Naturgeräuschen. Einer meiner schönsten Momente während der ganzen Tour: der Abstand zu den anderen nach vorne und hinten ist so groß, dass ich niemanden von der Gruppe sehe. Ich paddle ganz gemütlich vor mich hin, lehne mich nach hinten und genieße einfach den Moment. Was für ein Glück ist es, hier sein zu können, umgeben nur von der Natur und den Klängen des Dschungels. Kein Handyempfang, kein Lärm, kein Zeitdruck. Ich kann einfach nur den Moment genießen – zumindest bis zum nächsten Ast, der aus dem Wasser ragt.
Wir haben aufgrund eines sehr trockenen Sommers (es ist El Niño Jahr) wenig Wasser im Fluss und müssen aufpassen, wo wir fahren und manchmal auch die Boote über besonders flache Stellen heben.
Mittags erwartet uns auf einer Sandbank ein richtiges Buffett mit Wraps, frischer Melone, ecuadorianischer Schokolade und sogar einem kalten Bier, bevor wir frisch gestärkt nochmal 3-4 Stunden flussabwärts fahren.
Wieder so ein magischer Moment: Langsam verändert sich das Licht und der Himmel färbt sich in tiefem Rosa. Wir lehnen uns zurück und lassen uns treiben, immer mit Blick zu den leuchtenden Wolken und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Ganz zum Camp schaffen wir es leider nicht und werden doch vom Gepäckboot noch eingesammelt als es schon ziemlich dunkel ist.
Auf dem Weg halten wir Ausschau nach reflektierenden Punkten auf dem Wasser – die Augen von Kaimanen.
Angekommen im Camp ist es noch gar nicht so spät, nur dunkel, und wir beziehen unsere Schlafmöglichkeiten. Das Camp besteht aus 4 Hütten: Das „Haupthaus“ mit Küche und Essbereich, das „Badehaus“ mit zwei Toiletten und Duschen (mit Regenwasser betrieben, angesichts der Trockenheit nicht sehr viel), einer Hütte mit Betten mit Mosikonetzen und einer Hütte mit Zelten. Wir beziehen die Hütten und freuen uns auf das Abendessen, das unser Küchenteam bereits schon wieder gezaubert hat. Müde fallen wir in die Betten zu Naturgeräuschen, wie sie keine Einschlaf-Playlist der Welt kopieren könnte.
Tag 2 – Suche nach der Anakonda und Umgang mit dem Blasrohr
Der zweite Tag beginnt früh mit Kaffee um 4:30 Uhr und Aufbruch im Dunkeln mit den Kayaks und Stirnlampen. Langsam erwacht die Natur, die Geräusche verändern sich. Es kommen immer mehr Vogelstimmen hinzu und langsam wird es heller. Da wir mit den Kayaks kaum Geräusche machen, können wir das Konzert der Natur richtig genießen und sehen Aras und Tukane, leider eher aus der Ferne.
Zurück im Camp wartet das Frühstück auf uns mit Eiern, Eckhards berühmtem Pfannenbrot (nicht das Toast auf dem Foto) und Obst.
Am Vormittag machen wir uns nochmal mit den Kayaks auf in einen abgetrennten Seitenarm des Flusses auf der Suche nach einer Anakonda, die dort häufig anzutreffen sein soll. Wir haben leider kein Glück und uns überrascht ein heftiger, tropischer Regenschauer – bei mir steht das halbe Boot gefühlt unter Wasser. Aber deshalb hat man ja schnelltrocknende Kleidung (bei bis zu 35°C ohnehin sinnvoll) und die Kamera in einem wasserdichten Beutel verpackt.
Nach dem Mittagessen (es ist so beeindruckend, was unser Koch alles auf die Beine stellen kann, teilweise bei Kerzenlicht und nur mit 2 Flammen Gaskocher) ist Zeit für eine Siesta. Manche legen sich hin, andere quatschen im Haupthaus oder man kann auch im Fluss baden gehen.
Nachmittags lernen wir dann Gaba und seine Familie näher kennen. Sie laden uns ein in ihr „Wohnzimmer“, wo sie gerade Curare herstellen. Das ist das Gift mit dem sie die Pfeile für das Blasrohr tränken. Es wird aus Yucca/Maniok gewonnen, an dessen Ernte dürfen wir uns auch versuchen – das braucht ganz schön Kraft.
Sie zeigen uns die Pfeile und das Blasrohr und anhand eines kleinen Zieles können wir unser Glück auch versuchen. Nun ja, wir sind auf jeden Fall froh, dass wir nicht dafür zuständig sind fürs Essen während der Tage zu sorgen, sonst würden wir vermutlich hungrig ins Bett gehen.
Da es so früh dunkel wird, ist hier die Nachtwanderung noch vor dem Abendessen im Wald. Wir sehen vielerlei Schrecken, Spinnen, Schlangen und Frösche. Jedes Mal, wenn ich nachts so eine Tour im Dschungel mache, fasziniert es mich, wie viel Leben sich hier verbirgt!
Nach dem Abendessen sitzen wir noch eine Weile bei erstaunlich gutem ecuadorianischem Wein zusammen und lassen den Tag auf uns wirken, bevor uns wieder die Zikaden in den Schlaf singen.
Tag 3 – Wanderung durch den Urwald
Heute Frühstück im Hellen, bevor wir uns wieder mit Gaba treffen. Er zeigt uns heute seinen Wald. Also schlüpfen wir alle in die Gummistiefel und machen uns mit ihm auf den Weg über Stock und Stein. Er trägt sein großes Blasrohr, falls sich eine Möglichkeit ergibt – aber ehrlich gesagt macht eine Gruppe europäischer Touristen eindeutig zu viel Lärm als dass wir auch nur irgendein Tier zu Gesicht bekämen. Dennoch stapfen wir durch Schlamm und balancieren über Baumstämme unserem Guide hinterher. Er erklärt den Nutzen wichtiger Pflanzen und seine Methoden zur Jagd. Welche Pflanzen eignen sich für Befestigungen, welche für Dächer und welche haben schmerzlindernde Wirkungen? Es gibt Bäume, die zur Kommunikation genutzt werden, andere, die wunderbar Holz für Speere geben, Lianen mit Wasservorräten und Ameisen, die etwas nach Zitrus schmecken (man durfte probieren). An sich hätten wir danach genügend Wissen, um im Dschungel zu überleben, aber ich bin dann doch froh, dass alle zurück ins Camp finden und ein Mittagessen dort auf uns wartet.
Nach der Siesta besuchen wir nochmal die Familie, wo uns Memote diesmal zeigt, wie ihr Alltag so aussieht. Sie bereitet gerade Chicha vor für Besuch in den nächsten Tagen und wir dürfen kosten (fermentierter und gestoßener Maniok). Wir haben ein paar kleine Geschenke für die Kinder dabei und ihre Enkelin freut sich sehr über die Ablenkung und spaßt die ganze Zeit mit uns herum – egal ob man Spanisch versteht oder nicht. Wer möchte bekommt auch noch ein Dschungel-Tattoo aus einer Art Baumharz. Das dringt bei gewisser Trocknungszeit in die obersten Hautschichten und bleibt bis zu mehreren Wochen sichtbar. Meines war wirklich gut 2 Wochen sichtbar.
Nachmittags machen wir uns nochmal auf mit dem Motorboot und suchen nach Tieren. Aufgrund der Hitze und Dürre (es war in diesem Sommer im Schnitt etwa 5°C wärmer als sonst und hat wenig geregnet) bekommen wir leider die ganzen Tage recht wenig Tiere zu sehen. Ein paar von uns haben zwischendrin Glück und sehen einen Napo-Saki Affen und einen Potoo, wir sehen ein paar Aras, mal näher mal weiter weg, aber insgesamt verkriechen sich die Tiere bei der Hitze tief in den Wald.
Tag 4 - Abschied vom Yasuni Nationalpark
Wer möchte kann vor Sonnenaufgang nochmal ins Motorboot steigen und wir begeben uns in der Dämmerung auf die Suche nach Tieren. Die Hoffnung ist, dass die Tiere morgens noch aktiver sind und wir vielleicht ein paar zu sehen bekommen. Fehlanzeige, stattdessen sehen wir nur ein paar andere Touristen, die an einem Strand zelten und noch bevor die Sonne richtig aufgegangen ist, erwischt uns erneut ein heftiger tropischer Regenschauer.
Aber ich muss sagen, ich kann ihn eine Weile auch genießen. Ich weiß, dass meine ganze Ausrüstung wasserdicht verpackt ist und dass meine Klamotten nach ein paar Minuten Sonne ohnehin wieder trocken sind. Und der Wald braucht den Regen in dem Moment so sehr. Dennoch brechen wir die Fahrt natürlich ab, denn jetzt kommen sicherlich keine Tiere aus ihrem Versteck.
Pünktlich zur Rückkunft und dem Frühstück scheint die Sonne wieder und wir hängen unsere Sachen zum Trocknen noch auf. Danach wird alles zusammengepackt und verstaut. Memote und Gaba verabschieden sich von uns und gemeinsam mit ihrer Tochter und Enkelin machen wir uns auf den Weg – die Kleine soll am nächsten Tag wieder in die Schule gehen.
Mittags erwartet uns zurück an der Anlegestelle noch ein letztes Buffett gemeinsam mit unserer tollen Crew. Sie haben uns die ganzen Tage begleitet mit so viel Freude an ihrer Arbeit, Hilfsbereitschaft in jeglicher Lage (egal ob beim Ein- und Aussteigen im Boot, Tierbeobachtungen oder einfach nur mit den Gummistiefeln) und einfach einer wirklich warmen Herzlichkeit.
Schweren Herzens verabschieden wir uns von ihnen und fahren mit dem Bus zurück nach Coca. Und so schön es auch war einfach im Fluss baden zu gehen und so tief im Amazonasgebiet zu leben, über die Dusche im Hotel freuen wir uns dann doch alle.
Mehr zu den Waorani - und auch anderen Highlights der Reise finden Sie unten bei den weiteren Blogbeiträgen.

