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Kamtschatka liegt hinter Sibirien

Hintergrundwissen über die russische Halbinsel

Ein kurzer Einblick von Ullrich Wannhoff

Kamtschatka liegt hinter Sibirien, die Russen sagen Fernost. Eine Halbinsel zwischen zwei Meeren: Den Nordpazifik im Osten und im Westen das Ochotskischen Meer. Rauh, wild und ziemlich abseits der Touristenrouten.

Kamtschatka hat viele Themen, die ich hier nur kurz anreißen werde. Die Landzunge an der Beeringsee ist eng mit Geschichte der europäischen Naturgeschichte zu verstehen. Eine große Zahl an Büchern des 18. und 19. Jahrhunderts wurden veröffentlicht und hinterlassen eine Neugierde ....

Ich bin Ullrich Wannhoff, Fotograph, Ornithologe, Künstler & Naturmensch. Für WIGWAM bin ich seit Jahren als Reiseleiter in Kamtschatka und Sibirien unterwegs.

Kamtschatka im fernen Osten Russlands

 

Naturforscher, das weiche Gold und Ureinwohner

  • Deutsche Naturforscher leisteten Pionierarbeit im 18. und 19. Jahrhundert. Am bekanntesten ist Georg Wilhelm Steller (1709-1746) der an der Zweiten Kamtschatka Expedition (1733-1743) teilnahm unter der Führung des dänischen Kapitäns in russischen Diensten Vitus Bering (1681-1741). (Beringstrasse und Beringgletscher, letztere in Alaska.)
  • Das „weiche Gold“, wie die Felle von Zobel, Polarfuchs, Seebär und Seeotter genannt werden, zog nach der Kunde dieser Expedition viele russische Jagd- und Handelsexpeditionen in den Fernen Osten bis nach Alaska an. Die wertvollen Pelze waren auf der ganzen Welt begehrt.
  • Aber schon vorher drangen 1697 gewaltsam Kosaken vom Norden Anadyr auf die Halbinsel ein und brachten turksprachige Worte mit, wie Sopka - Berg, Tabun - Herde oder Suslik - Ziesel. Kosaken waren ein freiheitsliebendes Volk, die sich nicht in russische Leibeigenschaft zwingen ließen. Als Gegenleistung eroberten sie für den Zaren Land. Es war eine lose militärische Horde.
  • Im Zuge der Kolonialisierung leben heute von der ursprünglichen Bevölkerung nur noch 2,5% auf Kamtschatka: Die Itelmenen, die Korjaken, die Tschuktschen, die Aleuten (Uanangan) und später Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten die Ewenen vom Festland ein.
  • Alle Ureinwohner sprechen heute Russisch und nur wenige Indigene beherrschen ihre eigene Sprache, die übrigens erst im 19. Jahrhundert verschriftlich wurde.
  • Kamtschatka ist ein Land mit Vulkanen. Im 18. Jahrhundert sprach man von feuerspeienden Bergen (Sopka). Das Wort Vulkane zog erst mit den neuen Wissenschaftlern ein.

Aktive Vulkane: Itschinskaya Sopka, Tolbatschik, Goreli, Mutnowsky, ...

Etwa 250 km vor der Ostküste befindet sich die Subduktionszone. Schwerer ozeanischer Boden schiebt sich unter die Halbinsel und lässt die Vulkane seit über Millionen Jahre bis heute spucken.

Fast alle aktiven Vulkane liegen im östlichen Gebirgsrücken. Dazwischen breitet sich das fruchtbare Tal mit dem Fluss Kamtschatka aus. Auf der erkalteten westlichen Gebirgskette bleibt der Itschinskaya Sopka mit 3621m Höhe aktiv. Das heißt aber nicht, dass alle Böden kalt sind. Warme Quellen treffen wir überall an und diese laden zum Baden ein. Die imposanten Vulkane steigen vom Meeresspiegel auf und erscheinen optisch größer als ihre angegebenen Höhenmaße.

Einer der aktiven Vulkane ist der Tolbatschik mit 3762m, dessen letzter Ausbruch liegt acht Jahre zurück. Die Unterschiede zwischen ʻAʻā-Lava und Pähoehoe Lava lässt sich gut ablesen.

Der Goreli setzt sich aus einem großen Schildvulkan und einigen Stratovulkanen zusammen. Äußerlich ein großer Berg mit „Dreck“, aber innerlich sind die farblichen Schichten der vielen Ausbrüche an den Kraterwänden zu bewundern. Unregelmäßig stößt er heiße Dämpfe in die Atmosphäre.

Dagegen raucht der Mutnowsky 2322m mit seinen Fumorolen ständig. Der schweflige Wasserdampf mischt sich mit den Wolken, die vom Meer aufziehen.

Der Avacha mit 2.741m Höhe hatte 1991 seinen letzten Lavaausbruch, der aber nur bis zum Kraterrand reichte und heute wie ein Pfropfen darauf liegt und durch die Mitte geht ein heißer Riss, der von Jahr zu Jahr breiter wird. Schwefelgerüche kommen uns entgegen.

Der Korjaksky hat eine Höhe von 3458m. Anfang des 21. Jahrhundert gab es einen Nördlichen Seitenausbruch, mehr Asche und Rauch, als Lava.

Die beiden letzten sind Hausvulkane die vor der Gebietshauptstadt Petropavlovsk liegen und die Stadt gefährden. Diese Gefahrenquelle wird, wie überall auf der Welt, verdrängt, wo Siedlungen dicht an Vulkanen liegen. Vielleicht ist das ein evolutionär angeborener Akt, diese Verdrängung. Ähnliches lese ich in Gilgamesch, eines der ältesten geschriebene Erzählung, die vor 5.000 Jahren auf Tontafeln eingedrückt wurde. Gilgamesch der Herrscher der Stadt Uruk und sein Freund Enkidu vernichten die Wälder und wurden von den Göttern bestraft Schon damals wusste man, welchen Schaden nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen an der Natur anrichteten.

Neuere Geschichte von Kamtschatka & Petropavlovsk

Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der Stadt Petropolawsk mit 180.000 Einwohnern, Tendenz ansteigend. Bis 1990 war Kamtschatka militärisches Sperrgebiet. Mit der Öffnung der damaligen Sowjetunion wurde die Halbinsel auch für russische Bürger und Ausländer zugänglich.

Große Pionierarbeit begann auf dem Sektor Tourismus. Es wurden große Nationalparks und Schutzgebiete geschaffen. Kamtschatka wurde zum "Geheimtipp" unter den aktiv Naturreisenden.

Ausländische Firmen zeigen bis heute großes Interesse an Kamtschatka. Denn es hat große Naturressourcen wie  Gold, Platin, Lachs. Wenn es um "Ausbeutung der Natur" und "Geld verdienen" geht, schwindet bekanntlich die Moral. Ist leider in Kamtschatka auch so. Mit westlichen Maschinen werden die Bodenschätze ausgehoben. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander.

Moskau ist immer noch die Zentralgewalt, die die Richtlinien in den Provinzen bestimmt. Nach der Jelzin Zeit werden die Gouverneure aber wieder (wie früher) von der Zentralregierung bestimmt.

Petrowpawlosk Kamtschatski wurde nach den Heiligen Peter und Paul benannt. Hier findet sich neben vielen Forschungseinrichtungen auch ein wichtiger Marinestützpunkt der russischen Pazifikflotte.

Tourismus und Reisen in Kamtschatka

Große Teile der Halbinsel sind noch unberührt und einige stehen unter Naturschutz, wie der Kronotzki Park und gehören zum Weltnaturerbe. Strenge Auflagen regulieren dort den Tourismus. Kamtschatka ist aber groß genug, so dass jeder dessen Wildheit selbst in der Reisegruppe erfahren kann.

Der Tourismus, der sich langsam entwickelt, erfolgt meist in geführten Touren. Individual Tourismus lässt sich schwer verwirklichen - schon allein aus organisatorischen Gründen und die Kenntnisse der russischen Sprache. Auf Grund der kurzen Saison von Anfang Juli bis Anfang September sind Hotels und Unterkünfte sehr bescheiden und zeitig ausgebucht. Ich lade Sie ein, mit mir 21 Tage Wildnis im fernen Osten Russlands zu erleben.

Mit Corona stieg der Tourismus innerhalb des Landes. Immer mehr einheimische Touristen machen aktiv Urlaub im Fernen Osten. Wir Deutschsprachigen belegen zahlenmäßig immer noch die vordersten Plätze, neben dem anwachsenden schnellen  chinesischen Tourismus, der auch ins Hochpreisige geht. Bei WIGWAM pflegen wir den authentischen Stil. Viel Natur, viel Erlebnis und die Zeit die Eindrücke wirken zu lassen.

In den letzten Jahren stieg die Zahl der Kreuzfahrer. Der Hafen Petropavlovsk besitzt auch einen naturgelassenen Hafen. Viele Trawler sind mit Fischfang unterwegs und liegen in der Avachabucht auf Reede.

Schmackhaftes Gemüse, Bären & andere große Tiere

Kamtschatka gehört immer noch zur eurasischen Platte und wir finden eine ähnliche Vegetation vor wie bei uns in Europa. Auf Grund des aktiven Vulkanismus ist die schwarze Erde sehr mineralreich und fruchtbar.

Die Pflanzen werden besonders groß und das einheimische Gemüse schmeckt so wie bei uns vielleicht wie vor hundert Jahren, ohne künstlichen Dünger.

Auch große Tiere treffen wir an, wie den Kamtschatka Braunbär, dessen Größe es mit dem Kodiakbären aufnehmen kann. Der Kamtschatka-Zobel ist größer wie auf dem Festland, ebenso die Elche mit ihren großen Schaufelgeweihen, die erst Anfang des 20. Jahrhundert eingeführt wurden.

Seevögel, Küste und das Meer um Kamtschatka

Die Avifauna ähnelt unserer Mitteleuropäischen Vogelwelt.

Ausnahme sind die Seevögel, wie zum Beispiel: zwei Meerscharbenarten (die zur Familie der Kormorane gehören), Hornlunde, Gelbschopflunde, Taubenteiste, Schopfalk, Silberalk, die man mit Glück alle an der Steilküste in der Avachabucht beobachten kann. Ebenso den Riesenseeadler der im Winter auf Hoakkaido/Japan seine Zeit verbringt.

Das Meer besitzt eine große Biomasse. Warme und kalte Meeresströme treffen aufeinander, aber dies wäre ein extra Thema ....

Für Sie an der Tastatur: Ullrich Wannhoff

Meine Kindheitsträume von fernen Ländern und wilden Tieren konnte ich nach der Wende mit mehreren Langzeitreisen verwirklichen. Das sinnliche Reisen und die vielseitige Wahrnehmung standen und stehen im Mittelpunkt. Als freischaffender Künstler und Reisender begeistern mich die nordischen Regionen. Vorallem das entlegene Kamtschatka fasziniert.

Durch die intensive Beschäftigung mit Geologie, Flora und Fauna kann ich mein Wissen auf Studienreisen, und als Lektor auf Excursionsschiffen Bremer- und Hamburger Reedereien weitergeben.

Webseite: ullrich-wannhoff.de

PS: Fotos in höchster Auflösung können Sie direkt über mich erhalten. Schreiben Sie mir.

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