von Susanne Siegel

Cajas Nationalpark in Ecuador

Im Hochland von Ecuador

Allgemeine Informationen über den Park

Der Nationalpark Cajas liegt in der ecuadorianischen Provinz Azuay und erstreckt sich über eine Fläche von 294,77 km2. Er liegt auf einer Höhe zwischen 3152 und 4450 Metern über dem Meeresspiegel. Die beiden höchsten Berge heissen Cerro Arquitectos (4450 m) und Avilahuaycu (4250 m). Das hügelige Gebiet ist in eine Tundravegetation eingebettet und man findet an die 270 Lagunen und Seen im Nationalpark. Die Feuchtgebietsvegetation geht zurück in die Eiszeit.

Der Fluß "Tomembamba" entspringt hier, zusammen mit seinen Nebenflüssen Río Mazán, Río Yanuncay, Rió Migüir und Río Norcay. Das Naturschutzgebiet ist außerdem das Süßwasserreservoir für die umliegende Region von Cuenca und somit die Hauptquelle für das Trinkwasser. Deshalb unterliegt die Leitung des Parks der Trinkwasserbehörde.

Im Juni 1977 wurde das Gebiet zum Schutzgebiet ernannt und im November 1996 schließlich zum Nationalpark erklärt. Das hier vorherrschende Ramsar-Rechtgebiet hat außerdem internationale Bedeutung, da es als "important bird area" eingestuft wird.

Auf den Spuren von Alexander von Humboldt

Der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt reiste im 19. Jahrhundert nach Ecuador. Er war zwischen 1799 und 1804 in Mittel- und Südamerika auf Entdeckerreise, wobei er vor allem in Ecuador umfassende Expeditionen unternahm. Er forschte umfänglich in den Bereichen Geografie und Naturgeschichte in den Anden, dem Amazonasgebiet und an der Küste. Außerdem studierte er intensiv die Vulkane Chimborazo und Cotopaxi. Auch haben seine Vermessungen und die Kartografiearbeiten sehr geholfen, die Karten der Region zu verbessern. Sein starkes Interesse an der Natur, den Pflanzen und Tieren, sowie auch an den Menschen und deren Kultur, hat maßgeblich zu einem besseren Verständnis der Naturgeschichte und Geografie in den bereisten Regionen beigetragen.

Wanderung im Cajas Nationalpark

Auf unserer WIGWAM Gruppenreise "Ecuador & Galapagos" im vergangenen November unternahmen wir eine Wanderung im Cajas Nationalpark. Da die Reiseroute von Cuenca nach Guayaquil direkt am Nationalpark vorbei führt bietet sich hier natürlich ein Stop an.

Wir erreichten den Park in den frühen Morgenstunden. Unsere Naturführerin nahmen wir direkt in Cuenca mit in unserem Bus. Dadurch konnte sie uns bereits auf der Weiterfahrt einige interessante Fakten über den Nationalpark und die Region erzählen.

Im Visitorcenter im Nationalpark bekamen wir zunächst weitere umfangreiche Informationen zu der Flora und Fauna und auch der geologischen Entstehungsgeschichte der Region.

Das Wetter war bewölkt und es wehte ein kalter Wind, als wir unsere Wanderung starteten. Ich wurde gleich von einem Kolibri überrascht, der gerade neben mir in einem Baum auf Nahrungssuche war.

Wir wanderten durch die beeindruckende Landschaft und machten immer wieder eine kurze Pause, in der uns die Rangerin z.B. auf eine besondere Blume oder Pflanze hinwies. Oder einfach, um ein paar Schluck Wasser zu trinken. Aufgrund der Höhe von über 3800 Metern war es sehr wichtig, immer genug zu trinken und das Schritttempo anzupassen. Dies merkte man vor allem, wenn es ein paar Höhenmeter über einen Hügel ging - das Atmen wurde schwieriger.

Nach nicht allzu langer Zeit verschwanden die Wolken und die Sonne begrüßte uns. Nach und nach konnte man die einzelnen Jacken ausziehen, da es sofort sehr heiß wurde. Sonnenschutz in Form von einer Kopfbedeckung und Sonnencreme war ein MUSS.

 

Das periodisch auftretende Wetterphänomen El Niño, welches seit Mitte des Jahres 2023 wieder begonnen hat, hat auch Auswirkungen auf das Feuchtgebiet im Cajas Nationalpark. Der sonst durchgehend moorige, nasse Untergrund war an vielen Stellen viel zu trocken, die Seen hatten wenig Wasser. Dadurch ist das Gebiet als Trinkwasserspender für die Stadt Cuenca und die gesamte Region von Wasserknappheit betroffen. Die Rangerin weiste uns im Vorbeigehen immer wieder darauf hin, an welchen Stellen einfach viel zu wenig Wasser war für diese Jahreszeit.

Die einheimische Bevölkerung darf im Nationalpark ihre Lamas und Alpakas grasen lassen, da diese mit ihren kleinen Hufen nicht allzu viel Schaden anrichten. Die Pferde dort grasen zu lassen ist jedoch nicht erlaubt, da sie weitaus größeren Schaden durch ihre Hufe im feuchten Boden anrichten würden.

Unsere Wanderung dauerte gute 3 Stunden und war für jeden in der Gruppe sehr gut machbar. Die einzige Anstrengung war, wie schon erwähnt, die Höhe und das immer wieder auf - und abwandern über die verschiedenen Hügel. Manche Etappen bergab erforderten gute Trittfestigkeit. Hier empfiehlt sich bei Unsicherheit Wanderstöcke mitzunehmen.

Wer noch weitere Wanderungen in Ecuador vorhat, vor allem auf noch höhere Berge, kann den Cajas Nationalpark zur Vorbereitung hierfür nutzen.

Tierwelt

Im Cajas Nationalpark sind aufgrund der besonderen Tundra- und Páramovegetation viele endemische und auch gefährdete Tierarten zu finden. So sind hier unter anderem der Bergtapir, der Puma, der Brillenbär, das flinke Ozelot, die Tigerkatze, farbenfrohe Tukane, Kaninchen und Füchse zu Hause.

Vogelwelt:

Der Nationalpark ist klassifiziert als "Important Bird Area", das heisst er ist ein wichtiger Arten- und Biotopschutz für Vögel. Mehr Informationen zu dieser Klassifizierung finden Sie hier.

Im Cajas NP sind ca. 200 Vogelarten beheimatet. Die Mischung aus Seen und Mooren, weiten Bergen, Hügeln und viel grün ist ein idealer Lebensraum für eine Vielzahl an Vogelarten, die das Herz eines jeden Vogelliebhabers höher schlagen lassen. Hierunter zählen unter anderem der Andenkondor (es existieren nur noch 80 Exemplare in Ecuador), der Streifenkarakara, Schopfkarakaras und Tapaculos. Außerdem findet man hier die Ockerwangen-Ameisenpittas, den Riesenkolibri und den Violettkehl-Glanzschwänzchen Kolibri, der hier endemisch ist.

Eine weitere Auswahl der hier lebenden Vogelarten sind:

  • Schwarzkappen-Tyrann / Rotbusch-Tyrann / Indianermeise-Tyrann

  • Rotflügel-Andenkolibri

  • Ecuadorianischer Purpurkopfkolibri

  • Riesenspitzschnabel

  • Graszaunkönig

  • graubrustiger Bergtukan

  • Enten

  • Gänse

Diese besondere Oase der Natur inmitten der üppigen Landschaft des Cajas Nationalparks beherbergt eine wundervolle Biodiversität, die es zu bewahren und zu schützen gilt.

Pflanzenwelt

Im Cajas Nationalpark findet man eine große Vielfalt an Kräutern und Pflanzen, welche meist nicht nur klein sondern auch außerordentlich robust sind. Die Pflanzen haben sich den extremen Bedingungen perfekt angepasst. Nachts erreichen die Temperaturen oft nahezu die Frostgrenze, während tagsüber die Sonne die Umgebung auf um die 20°C aufwärmt. Der komplette Boden im Nationalpark ist mit Vegetation bedeckt und immer feucht. Somit hat man beim Laufen oft das Gefühl als würde man über einen schwimmenden Teppich schreiten.

In der besonderen Tundravegetation, die sich aufgrund der Höhe des Gebietes bestens entfalten konnte, findet man Zwergbäume, Büsche und farbenfrohe Blumen in einer endlosen Weite. Außerdem findet man hier noch einige der einzigen verbliebenen Papierbäume (Polylepis) im Land (siehe Foto).

Die über 270 Lagunen und malerischen Seen im Park, welche die Landschaft prägen, beherbergen an ihren Ufern zudem eine einzigartige Vegetation. Moose, Wasserpflanzen und seltene Gräser gehören hier zum besonderen Anblick.

Highlights

Die alte Inkastraße

Wenn man den Park zusammen mit einem ortskundigen Führer erkundet (ausdrückliche Empfehlung!) erhält man interessante Informationen nicht nur über Flora und Fauna sondern auch über die historische Route, die durch den Nationalpark führt. Diese alte Inkastraße war einst ein wichtiger Handelsweg von Cuenca nach Guayaquil und hat die Bergvölker mit denen der Küste und auch mit denen der Amazonasgebiete verbunden. Damals haben die Indios sogar auseinander gebaute Wagen über diese Pfade bis nach Guayaquil getragen.

Kakaofarm

Zwischen dem Cajas Nationalpark und Guayaquil liegt eine familiengeführte Kakaofarm. Dort kann man bei einer Führung alles über den Herstellungsprozess von Kakao erfahren und natürlich auch verkosten. Es gibt dort noch weitere Produkte wie die Brotfrucht, Kaffee, die Passionsfrucht, Ananas, und viele andere.

Vogelbeobachtungen

Ecuador - direkt am Äquator gelegen - ist ein wahres Paradies für Ornithologen und Vogelliebhaber. Aufgrund der unterschiedlichen Regionen (Nebelwälder, Anden, Küste, Amazonas) gibt es einige Möglichkeiten, eine Vielzahl von besonderen Vögeln zu beobachten. Der Cajas Nationalpark ist einer davon. Hierzu kann man ganztägige Vogelbeobachtungstouren von Cuenca aus buchen.

 

Ecuador-Reisen mit WIGWAM

Entdecken Sie den faszinierenden Nationalpark auf unserer beliebten WIGWAM Gruppenreise "Ecuador & Galapagos". Oder erkunden Sie andere reizvolle Landschaften in Ecuador auf unserer Trekkingreise oder in Verbindung mit Kolumbien. Gerne stellen wir Ihnen auch Ihre eigene Privatreise nach Ihren Vorlieben zusammen.

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Wetter im Cajas Nationalpark

Aufgrund von der Páramovegetation findet man im Cajas NP oft ein sehr unbeständiges Wetter vor. Der Wechsel von einem strahlend blauem Himmel zu einem regnerischen und kühlen Bergnebel kann überraschend und schnell vorkommen. Das Schöne ist, dass der Park bei jeder Wetterbedingung eine besondere Landschaft hervorzaubert.

Da es sich um ein Feuchtgebiet handelt sind hier auch feuchte Bedingungen häufiger vorzufinden als Sonnenschein. Von Februar bis Juli ist Regenzeit, also mehr Regen und Nebel. Von August bis Januar scheint öfter die Sonne, es ist dafür aber oft auch windiger.

Häufig gestellte Fragen

Wie kommt man zum Nationalpark Cajas?

Von der Provinzhauptstadt Cuenca aus folgt man der Straße Richtung Nordwesten und erreicht nach nur 29 Kilometern den Nationalpark. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde. Diese Verbindungsstraße von Cuenca nach Guayaquil war bei ihrem Bau sehr umstritten wegen des Eingriffs in den Nationalpark (siehe Foto). Das Positive an der Straße ist, dass nun jeder gesunde Tourist unkompliziert eine Wanderung auf um die 4000 m hier unternehmen und die Schönheiten des Parks erleben kann, ohne vorher tagelang erstmal bis auf diese Höhe wandern zu müssen.

Von Guayaquil aus liegt der Nationalpark ca. 150 km entfernt. Durch die vielen Kurven und Serpentinen muss man mit knapp 3 Stunden Fahrtzeit rechnen. Die Straßen sind gut ausgebaut.

Wie viele Tage braucht man für den Cajas NP?

Während unserer Gruppenreise "Ecuador & Galapagos" verbringen wir ca. 4 bis 5 Stunden im Nationalpark, da wir auf der Durchreise von Cuenca nach Guayaquil dort einen Stop einlegen. Diese Zeit ist ausreichend, um die Schönheiten des Parks zu bestaunen und eine schöne Wanderung zu unternehmen. Wer auf eigene Faust in Ecuador unterwegs ist kann dort ohne Probleme auch eine oder mehrere Tageswanderungen unternehmen. Das Zelten ist ebenfalls erlaubt.

Was sollte man im Cajas Nationalpark beachten?

Der Besuch im Nationalpark ist kostenlos. Man muss sich jedoch am Eingang im Visitorcenter anmelden. Manche Wege und Aussichtspunkte sind nur für sehr wenige tägliche Besucher limitiert. Deshalb empfehlen wir, den Park morgens/vormittags zu besuchen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Die Wanderwege sind oft nur spärlich beschildert, weshalb wir unbedingt empfehlen, den Park mit einem örtlichen Führer zu erkunden. Außerdem erfährt man dadurch alles über die Flora und Fauna.

Die äquatoriale Sonne sowie die Höhenlage sollte man nicht unterschätzen. Es ist daher sehr wichtig, auf die Signale seines Körpers während einer Wanderung zu achten. Neben einer ausreichenden Wasserzufuhr ist natürlich auf einen ausreichenden Sonnenschutz zu achten, auch an einem bewölkten Tag, da das UV-Licht die Wolken durchdringt (Lichtschutzfaktor 50 sowie Kopfbedeckung). Das Tempo beim Gehen darf gerne langsam und gemächlich sein, bei Anstiegen ist dies unbedingt zu beachten.

Was sollte ich unbedingt für eine Wanderung dabei haben:

  • Sonnenhut
  • Sonnencreme (LSF 50)
  • Wanderschuhe
  • ausreichend Trinkwasser
  • Bequeme Kleidung / warm ("Zwiebellook")
  • Langarm-Shirt
  • ggf. Wanderstöcke
  • ein paar Snacks
  • Kamera

 

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