Seidenstraße

Die Seidenstraße gilt als eine der ältesten Handelsrouten der Welt. Lange bevor Marco Polo hier entlanggereist sein soll, entstand durch die Entdeckung der kostbaren Seide in China dieses Straßennetz. Die erste Karawane soll etwa um das Jahr 100 vor Christus von Chinas alter Hauptstadt Chang'an, heute Xi'an, Richtung Mittelmeer gestartet sein. Ein Abenteuer, denn die Route führte durch Wüste und über schneebedeckte Pässe, oft höher als 4000 Meter gelegen. Und überall lauerten Räuber und Wegelagerer. Karawanen mit bis zu tausend Kamelen starteten in Xi'an, um die kostbare Seide nach Rom zu bringen. Doch die Chinesen handelten nicht nur mit Europa, sondern auch mit den angrenzenden asiatischen Reichen. Und das Netz von Karawanenstraßen durch Vorder- und Zentralasien wurde immer dichter.

Die Bezeichnung geht auf den im 19. Jahrhundert lebenden deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen zurück, obwohl bereits die Byzantiner eine ähnliche Bezeichnung verwendeten. Aus östlicher Perspektive hätte man die „Seidenstraße“ ebenso gut als „Glasstraße“ bezeichnen können, in Richtung China wurde hauptsächlich mit Gold, Edelsteinen und vor allem Glas gehandelt. In die andere Richtung wurden – außer Seide – vor allem Pelze, Keramik, Porzellan, Jade und Eisen getragen. Viele dieser Güter wurden unterwegs eingetauscht, wechselten mehrmals den Besitzer und gewannen so an Wert, bevor sie ihr endgültiges Ziel erreichten.

Auf der Seidenstraße wurden nicht nur Waren transportiert; mit dem Handel verbreiteten sich auch Religion und Kultur. So gelangte der Buddhismus über die Seidenstraße bis nach China und Japan und wurde dort vorherrschende Religion. Das Christentum drang über die Seidenstraße bis nach China vor. Die Kenntnis von Papier und Schwarzpulver kam entlang der Seidenstraße in die arabischen Länder und gelangte von dort später nach Europa.

Heute hat die Seidenstraße einen eher romantischen, abenteuerlichen Stellenwert. Reisen „auf den Spuren Marco Polos“ ziehen eine wachsende Zahl von Touristen in diese abgelegenen Regionen.
 China erkannte das touristische Potential sehr schnell, indem es in den späten 1970ern seine Türen für ausländische Reisende öffnete. Dies führte dazu, dass viele Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler entlang der Seidenstraße restauriert wurden und man von offizieller Seite Sorge für die Erhaltung dieser Monumente trägt. Überdies wurde mit archäologischen Ausgrabungen dem Leben entlang der Seidenstraße nachgespürt.

Kashgar

Die Wüstenstadt befindet sich im äußersten Westen von China in der Provinz Xinjiang, nah an den Grenzen zu Kirgistan und Pakistan. Sie scheint wie eine Märchenstadt aus 1000 und einer Nacht mit ihrem Bazar in der Altstadt und der islamischen Kultur der Uiguren, die dort leben.
Bereits in der späten Bronzezeit war die Oase von Kashgar besiedelt. In dieser Zeit war hier die Aketala-Kultur verbreitete, die insbesondere Beziehungen zur in der Fergana verbreiteten Tschust-Kultur zeigte.

Im ersten Jahrhundert nach Christus war Kashgar Zentrum eines mächtigen Reiches, das große Teile des westlichen Tarim-Beckens sowie wohl auch Gebiete westlich des Pamir-Gebirges beherrschte.
Die Stadt wurde aber erst um den Beginn der Zeitrechnung in chinesischen Quellen erwähnt und gehörte zu den 48 Fürstentümern des Westens.
Nach vielen Herrschaftswechseln und Kriegen wurde Kashgar Mitte des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Ort im sogenannten „Great Game“ der Kolonialmächte Russland und Großbritannien. Russland hatte die angrenzenden Gebiete der Region erobert, dennoch blieb Kashgar auch nach der Proklamation der Volksrepublik China Teil Chinas.

Die Stadt ist berühmt für den wöchentlichen Sonntagsmarkt und ihren großen überdachten Basar. Auf dem Sonntagsmarkt werden Tiere (Schafe, Ziegen, Esel, Rinder, Yaks, Pferde, vereinzelt auch Trampeltiere) und landwirtschaftlicher Bedarf, auf dem Basar alle erdenklichen Haushaltsgegenstände, Nahrungsmittel, uigurisch-chinesische Medizin und Haarschnitte angeboten.

Tashkent

Die mehr als zwei Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Usbekistans liegt nördlich der großen Seidenstraße an der Grenze zu Kasachstan. Sie ist Industriestadt (Energiewirtschaft, Maschinen- und Flugzeugbau, Baumwollverarbeitung, Lebensmittelindustrie), Verkehrsknotenpunkt mit U-Bahn und Flughafen sowie Kulturzentrum mit Universität, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern, Museen, Observatorium und Zoo.

Der moderne Name der Stadt setzt sich zusammen aus „Tasch“ und dem sogdischen Wort für Stadt („kand“). „Tasch“ kann unter anderem aus dem türkischen Wort für Stein („taş“) entlehnt und somit eine Übersetzung früherer Namen sein. Damit wäre die moderne usbekische Bedeutung „Stadt aus Steinen“ gegeben.

Die strategisch so wichtige Stadt gehörte im Laufe der Zeit zu vielen verschiedenen Herrschaftsgebieten, bis Tashkent 1865 von russischen Streitkräften erobert und 1867 zum Zentrum des Generalgouvernements Turkestan ernannt und später Teil der UdSSR wurde.

Bei einem Erdbeben am 26. April 1966 wurden erhebliche Teile der Stadt zerstört. Dies gab den Stadtplanern die Möglichkeit, ihre Vision einer neuen Stadt als Symbol sowjetischer Modernität in Asien umzusetzen. Dabei wurden auch nur leicht beschädigte Gebäude der traditionellen Viertel abgerissen. Verkehrswege wurden neu organisiert, Straßen verbreitert, Parks erweitert sowie eine U-Bahn und höhere Gebäude als zuvor gebaut. Umfangreiche und schnelle Hilfe von Partei und Regierung in Moskau kam der Stadt dabei zugute. Durch vorfabrizierte Materialien sowjetischen Designs konnte der zerstörte Wohnraum bis 1970 ersetzt werden. In den 1980er Jahren setzte sich die Expansion von Wohngebieten fort und es entstanden Einkaufszentren in sowjetischem Stil und eine Veranstaltungshalle (Palast der Völkerfreundschaft).

Am 31. August 1991 wurde in Taschkent die Unabhängigkeit Usbekistans ausgerufen und Taschkent zur Hauptstadt des neuen Staates. Seither wird die Stadt renoviert und umgebaut, um das Bild eines mächtigen Regierungszentrums für einen modernen unabhängigen Staat zu schaffen.